{"id":37,"date":"2011-04-06T09:14:58","date_gmt":"2011-04-06T07:14:58","guid":{"rendered":"http:\/\/berlin-projekt.net\/?p=37"},"modified":"2011-05-04T13:04:19","modified_gmt":"2011-05-04T11:04:19","slug":"raul-zibechi-la-dificil-unidad-de-las-fuerzas-antisistemicas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/berlin-projekt.net\/?p=37","title":{"rendered":"Ra\u00fal Zibechi : La dif\u00edcil unidad de las fuerzas antisist\u00e9micas"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die schwierige Einheit antisystemischer Kr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Moment, da das System in ernste Schwierigkeiten ger\u00e4t mittelfristig zu \u00fcberleben, beginnt das Verhalten antisystemischer Kr\u00e4fte eine entscheidende Rollen zu spielen. Weit davon entfernt irgendeine Form von Einheit oder stabiler Koordination zu sehen, muss man festhalten, dass im Universum derer, die f\u00fcr grundlegende Ver\u00e4nderungen sind, eine Reihe von Differenzen koexistieren, die eine minimale gemeinsame Sichtweise auf die Geschehnisse erschweren.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr ist die Haltung in Bezug auf den arabischen Aufstand, und dabei ganz konkret der Fall Libyen. Breite Teile antisystemischer Kr\u00e4fte, oder derer, die behaupten es zu sein, sympathisieren mit al-Gaddafi. Sie betrachten die Revolte gegen ihn als ein Machwerk des Westens, und dem Massaker, dass dieses Regime im eigenen Land anrichtet, schenken sie keine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung. Ein Teil dieser Menschen, und dabei beziehe ich mich nicht nur auf ein paar Regierende, verfolgten mit Wohlwollen die erfolgreichen Aufst\u00e4nde in Tunesien und \u00c4gypten. Dies gilt jedoch nicht f\u00fcr die L\u00e4nder, in denen es Regierungen gibt, die in irgendeiner Weise in Auseinandersetzungen gegen die USA stecken. Eine hypothetische breite Rebellion im Iran, oder in China, zum Beispiel, w\u00fcrde von weiten Teilen kaum unterst\u00fctzt werden, w\u00e4hrend man sich f\u00fcr \u00e4hnliche Revolten in anderen L\u00e4ndern begeistert.<br \/>\n<!--more-->Dies ist nur einer der vielen Widerspr\u00fcche, die die anti-imperialistischen und anti-kapitalistischen Gruppen durchziehen. Alles deutet daraufhin, dass, in dem Ma\u00dfe, wie sich die Krise versch\u00e4rft und die Widerspr\u00fcche breiter und komplexer werden, auch die Differenzen gr\u00f6\u00dfer werden. Ohne das Thema gro\u00df auszubreiten, oder eine Debatte er\u00f6ffnen zu wollen, scheint es doch notwendig vier Aspekte aufzugreifen, an denen heute gro\u00dfe Unterschiede sichtbar werden.<\/p>\n<p>Der erste Aspekt ist das Verhalten gegen\u00fcber dem Staat. Unter den antisystemischen Gruppen gibt mindestens zwei gegens\u00e4tzliche Positionen: sich in den Staat zu verwandeln oder diesen Weg abzulehnen und etwas anderes zu erschaffen. Es scheint offensichtlich, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Organisationen f\u00fcr die erste Option ist. Und daf\u00fcr engagieren sie sich best\u00e4ndig, sei es mittels Wahlen oder durch Aufst\u00e4nde; oder was noch h\u00e4ufiger geschieht, in einer Kombination beider Varianten. In dem Ma\u00dfe wie sich der Zerfall des Systems verst\u00e4rkt, scheint auch die interne Opposition gegen die progressiven Regierungen und die Verb\u00fcndeten des Sozialismus des 21. Jahrhunderts zu wachsen. Damit sieht es so aus, als ob eine Debatte, die die Zapatistas und einige Intellektuelle in den 1990ern anregten, wieder er\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>Die Probleme, die dieser Weg aufwirft, sind offensichtlich und erscheinen in dieser Phase noch klarer. Sie beinhalten das Risiko die aktuelle Weltordnung zu legitimieren und den Staatsapparat daf\u00fcr zu benutzen, wof\u00fcr er ja tats\u00e4chlich erschaffen wurde: die Beherrschten zu kontrollieren und zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die zweite Frage wurde bereits vor Wochen von <a title=\"Wallerstein | Postwachstum Schl\u00fcsselfrage des 21. Jahrhunderts?\" href=\"http:\/\/postwachstum.net\/2010\/09\/17\/wallerstein-postwachstum-schlusselfrage-des-21-jahrhunderts\/\" target=\"_blank\">Immanuel Wallerstein er\u00f6rtert<\/a>, als er auf die Differenzen hinwies, die zwischen denen bestehen, die auf Entwicklung und Modernit\u00e4t setzen und denen, die einen zivilisatorischen Wechsel wollen, vornehmlich indigene Bewegungen, die an ein \u201c<em>buen vivir<\/em>\u201d, an ein gutes, in Eintracht mit der Natur leben, appellieren. Es ist richtig, dass dies ein entscheidender Punkt ist, von dem die L\u00f6sung der Krise des Systens abh\u00e4ngen wird. Aber dieser zweite Punkt ist keinesfalls losgel\u00f6st vom ersten Aspekt zu betrachten.<\/p>\n<p>Wenn die Kr\u00e4fte, die die Welt ver\u00e4ndern wollen, sich f\u00fcr den staatlichen Weg entscheiden, zwingt diese Logik sie, den Staat, den sie \u00fcbernommen haben, zu erhalten, mit der Konsequenz das Konzept der Entwicklung zu \u00fcbernehmen und verst\u00e4rken zu m\u00fcssen. Einige s\u00fcdamerikanische Regierungen machen gerade genau dies mittels des Extraktivismus. Die Staaten brauchen dringend enorme Ressourcen, die ihnen nur zur Verf\u00fcgung stehen, wenn sie Land mittels Enteignung der Akkumulation zuf\u00fchren. Und dies bedeutet unweigerlich, dass sie auf den Widerstand der indigenen Gemeinden, der Bauern und st\u00e4dtischen Armen sto\u00dfen.<\/p>\n<p>Theoretisch, k\u00f6nnte man argumentieren, g\u00e4be es auch andere Wege seitens des Staates. Aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Das Ergebnis ist eine wachsende soziale und politische Polarisation, die dem Extraktivismus innewohnt und den Staat st\u00e4ndig zu mehr Staat macht und den Widerstand stets starrk\u00f6pfiger. Im Gegensatz dazu haben diejenigen, die den staatlichen Weg ablehnen, begonnen Formen rotierender Macht, mit oder ohne Land, die nicht in das Staaten-Nationen-Gef\u00fcge passen, aufzubauen.<\/p>\n<p>Auch das dritte Problem ist mit diesen Optionen verbunden. Die antisystemischen Kr\u00e4fte geh\u00f6ren zu zwei gro\u00dfen kulturellen Gruppen: die, die den staatlichen Formen entsprechen, wie die Parteien, und jene, die sich in ihren M\u00f6glichkeiten an den verschieden Formen orientieren, die in ihren communities bereits praktizieren werden. Diese k\u00f6nnen sowohl erneuerte und demokratisierte traditionelle indigene Gemeinden sein, aber auch st\u00e4dtische und b\u00e4uerliche. Immer jedoch sind sie mit einer anderen Form des Aufbaus gekoppelt.<\/p>\n<p>In den Koordinationen dieser unterschiedlichen Gruppen, so flexibel und horizontal sie auch sein m\u00f6gen, st\u00f6\u00dft die Kultur der Repr\u00e4sentation und die, der direkten Demokratie aufeinander, was die Verst\u00e4ndigung nicht einfach macht. Letztlich sind es die staatsfixierten Organisationen, von den Parteien \u00fcber die gro\u00dfen Gewerkschaftsf\u00fchrungen bis hin zu den NGOs , die sich des kollektiven Raums bem\u00e4chtigen, das Gespr\u00e4ch monopolisieren und sich zu den Vertretern der Vielfalt machen, die, ob wir wollen oder nicht, an den Rand gedr\u00e4ngt wird.<\/p>\n<p>Ich bestreite nicht, dass auf diesem Gebiet reichlich Fortschritte gemacht wurden, dass es gelungen ist gemeinsame Bereiche aufzubauen, wo der Respekt gegen\u00fcber dem Wort und der Identit\u00e4t der Anderen unvergleichbar gr\u00f6\u00dfer ist als noch vor Jahren. Trotzdem, wir stehen vor einem Problem, welches diskutiert, und nicht verdr\u00e4ngt, werden muss.<br \/>\nViertens ist da noch die Frage der Ethik. Sind Staat und Ethik kompatibel? Konkreter: Wie bringt man Ethik in eine Verh\u00e4ltnisform, wie den Staat, der strengstens Mittel und Zweck trennt? Der Staat ist ein Verh\u00e4ltnis, instrumental, rational und vertikal, das richtige Werkzeug um herrschend zu befehlen. Er k\u00f6nnte niemals \u201c<em>mandar-obedeciendo<\/em>\u201d, gehorchend f\u00fchren; dies w\u00fcrde zu seinem Einsturz f\u00fchren, falls seine eigene Art und Weise zu agieren, dies nicht schon von vorne herein gewaltsam verhindert.<\/p>\n<p>In Phasen wie diesen, die so voller Hoffnung sind, diese Debatten mit Gelassenheit anzugehen, bedeutet die Grenzen beider Strategien zu akzeptieren. Wir, die wir auf den nicht-staatlichen Weg setzen, wissen, dass wir zur Zeit nicht in der Lage sind unsere lokalen und regionalen Grenzen zu \u00fcberschreiten. Die einen, wie die anderen, beide Gruppen brauchen wir uns und k\u00f6nnen gemeinsam agieren, vorausgesetzt Ehrlichkeit und Ethik bestimmen die Richtung.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzung: Klaus Opheim<\/p>\n<p>Ra\u00fal Zibechi | La Jornada | 11-3-2011<br \/>\n<a title=\"Ra\u00fal Zibechi | La dif\u00edcil unidad de las fuerzas antisist\u00e9micas\" href=\"http:\/\/www.jornada.unam.mx\/2011\/03\/11\/index.php?section=opinion&amp;article=025a2pol\" target=\"_blank\">zum Originaltext&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Anmerkung:Ra\u00fal Zibechi definiert Extraktivismus auf Nachfrage der\u00a0 \u00dcbersetzerinnen und \u00dcbersetzer folgenderma\u00dfen:<br \/>\n<em>\u201eExtraktivismus ist die Ausbeutung der Natur, beziehungsweise des Gemeingutes, um diese in Waren (in erster Linie Bodensch\u00e4tze und Monokulturen) zu verwandeln. Dies beinhaltet Enteignung und Raub auch anderen Gemeinschaftsbesitzes (Wasser, Biodiversit\u00e4t). David Harvey nennt dies &#8218;Akkumulation durch Enteignung,&#8216;, Marx &#8218;urspr\u00fcngliche Akkumulation&#8216;, und Hannah Arendt erweitert dies als &#8218;der normal Vorgang der Kapitalakkumulation&#8217;\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die schwierige Einheit antisystemischer Kr\u00e4fte In diesem Moment, da das System in ernste Schwierigkeiten ger\u00e4t mittelfristig zu \u00fcberleben, beginnt das Verhalten antisystemischer Kr\u00e4fte eine entscheidende Rollen zu spielen. 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